{"id":30,"date":"2016-11-21T14:51:32","date_gmt":"2016-11-21T12:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/jazztext.de\/?p=30"},"modified":"2021-04-06T11:04:26","modified_gmt":"2021-04-06T09:04:26","slug":"was-die-muehe-lohnt-jazzfest-berlin-2016","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/jazztext.de\/?p=30","title":{"rendered":"Was die M\u00fche lohnt &#8211;  Jazzfest Berlin 2016"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAls H\u00f6rer muss man sich genauso auf ein Konzert vorbereiten, wie die Musiker\u201c sagt Wadada Leo Smith. Und er meint damit, das es notwendig ist, sich mental zu \u00d6ffnen, Interesse und Aufmerksamkeit zu haben, wenn man vorhat, improvisierte Musik zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Vielleicht war ich nicht richtig darauf Vorbereitet,<\/p>\n<div id=\"attachment_31\" style=\"width: 590px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-31\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-31 size-medium\" src=\"http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31-580x387.jpg\" alt=\"(c) Camilla Blake\" width=\"580\" height=\"387\" srcset=\"http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31-580x387.jpg 580w, http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31-768x513.jpg 768w, http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31-940x627.jpg 940w, http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31-300x200.jpg 300w, http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DeJohnette_Coltrane_Garrison-Jazzfest-Berlin-2016-\u00ae-Camille-Blake-Berliner-Festspiele-31-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-31\" class=\"wp-caption-text\">(c) Berliner Festspiele \/ Camilla Blake<\/p><\/div>\n<p>den Auftritt von Jack DeJohnettte mit Ravi Coltrane und Matt Garrison beim Jazzfest Berlin zu verstehen und\/oder zu genie\u00dfen. Immerhin hatte nur 20 Minuten zuvor noch die HR-Bigband auf der B\u00fchne gestanden \u2013 zusammmen mit Nik B\u00e4rtsch\u00b4s \u201eRonin\u201c &#8211; und die \u201eRitual Groove Music\u201c des Schweizers zelebriert, die eingebettet in wunderbar dichte Bl\u00e4serteppiche etwas von ihrer kantigen Askese verlor, aber eben im Orchester-Format einfach \u00fcberw\u00e4ltigend wirkte \u2013 noch lange nach dem letzten Schlussakkord.<\/p>\n<p>Und dann kam eben Jack DeJohnette auf die B\u00fchne: lebende Legende, ein gro\u00dfer schlanker Mann mitte siebzig \u2013 und mit ihm Ravi Coltrane und Matt Garrison, mit deren V\u00e4tern er schon vor einem halben Jahrhundert in die Jazzgeschichte eingegangen war. Ein Steinway stand bereit f\u00fcr DeJohnette, der zwar als Schlagzeuger bekannt ist, aber gerade ein Solo-Piano-Album ver\u00f6ffentlicht hat (<a href=\"https:\/\/youtu.be\/xWXdAcA_aEo\">https:\/\/youtu.be\/xWXdAcA_aEo<\/a>) und so intonierte er ein paar komplexe Kadenzen, eher Klangwolken, zu denen Coltrane (am Saxofon) und Garrison (Bass, elektrisch, 6-Saiter) eigene Beitr\u00e4ge formulierten. Das Saxofon: klar und aufger\u00e4umt \u2013 Ravi Coltrane ist, wie sein Vater, kein z\u00f6gerlicher Spieler. Garrison dagegen blieb mit seinem 6-saiter E-Bass und den angeschlossenen Effektger\u00e4ten in einem Klanguniversum, das ich eigentlich seit den 80-er Jahren f\u00fcr verwaist gehalten hatte. Leider ohne f\u00fcr mich erkennbaren musikalischen N\u00e4hrwert.<\/p>\n<p>Nach ein paar Minuten wechselte Jack DeJohnette doch ans Schlagzeug. Aber zun\u00e4chst drehten seine Achtelpatterns auf dem Hihat noch nicht rund, allzu schlichte Figuren wollten nicht so recht dazu passen, dass hier ein legend\u00e4rer Schlagzeuger das Lead-Instrument spielt. H\u00e4tte ich nicht im vollbesetzten Saal eines der wichtigsten Festivals in Deutschland gesessen: ich w\u00e4re vermutlich gegangen, h\u00e4tte die drei bei ihrer On Stage-Probe nicht st\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p align=\"left\">Und ich h\u00e4tte das Wichtigste verpasst: denn die drei, die sich da ohne vorbereitete Parade-St\u00fccke auf die B\u00fchne gestellt hatten \u2013 die fanden tats\u00e4chlich zusammen, verdichteten ihr Spiel. Schlie\u00dflich entwarfen sie eine Version von \u201eAlabama\u201c &#8211; einer \u201eBlack Lives Matter\u201c-Klage, die eben John Coltrane 1963 bei einem TV-Konzert live in Screen gespielt hatte, als Reaktion auf ein KKK-Bombenattentat auf eine Kirche in Birmingham\/Alabama.<\/p>\n<p align=\"left\">Und als sie gar die Riffs aus \u201eSerpentine Fire\u201c (von Earth,Wind &amp; Fire !) aufgriffen, war klar: dieese Musiker wissen eben doch, was sie tun. Und sie tun es sehr bestimmt. Wer sonst w\u00fcrde eines der opulentesten Show-Pieces des Funk so reduziert im Trio in Angriff nehmen? Sicher wollten auch DeJohnette, Coltrane und Garrison nicht behaupten, sie h\u00e4tten hier den neuesten Disco-tauglichen Remix geliefert: und doch hatte ihr Zitat alles, was \u201eBlack Music\u201c meint, die ganze Wucht von Jazz und Funk.<\/p>\n<p align=\"left\">Und dass dazu eben eine halbe Konzertstunde \u201eSuche\u201c notwendig war, erwies sich als Lehrstunde: \u201ekommt mit, liebe H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer, es muss nicht immer alles vorgefertigt sein. Das Konsum-Format ist gar nicht das wirklich Wichtige auf der Welt. Wir Menschen sind wichtig, wenn wir etwas gemeinsam tun\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">Das mag sich hier wie eine Binsenweisheit lesen: aber manchmal muss man daran erinnert werden. Und wenn ein Trio bei einem Jazzfestival das kann: dann war es doch den Aufwand wert!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAls H\u00f6rer muss man sich genauso auf ein Konzert vorbereiten, wie die Musiker\u201c sagt Wadada Leo Smith. 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