{"id":40,"date":"2017-06-13T16:18:22","date_gmt":"2017-06-13T14:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/jazztext.de\/?p=40"},"modified":"2021-04-06T11:04:16","modified_gmt":"2021-04-06T09:04:16","slug":"der-duestere-finne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/jazztext.de\/?p=40","title":{"rendered":"Der d\u00fcstere Finne"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/treffen-mit-dem-jazzgitarristen-kalle-kalima-die-klangspur-von-inspektor-palmu\/19853158.html\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-41 alignleft\" src=\"http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/KALIMA-tAGESSPOIEGEL-580x435.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"435\" srcset=\"http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/KALIMA-tAGESSPOIEGEL-580x435.jpg 580w, http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/KALIMA-tAGESSPOIEGEL-768x576.jpg 768w, http:\/\/jazztext.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/KALIMA-tAGESSPOIEGEL-940x705.jpg 940w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Musik zu Kaurism\u00e4ki-Filmen: Endlich spielt Kalle Kalima wieder einmal in Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/treffen-mit-dem-jazzgitarristen-kalle-kalima-die-klangspur-von-inspektor-palmu\/19853158.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Dieser Text erschien auch am 27.05.2017 im Berliner Tagesspiegel<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBisher war das Wetter nicht gut genug. Ich hab schon \u00fcberlegt, ob ich weiter nach S\u00fcden ziehen muss\u201c sagt Kalle Kalima und lacht. Er sitzt in der Sonne vor seinem Proberaum in Pankow und spielt die Alternativen durch: \u201eIch w\u00fcrde nach Barcelona gehen. Aber am liebsten w\u00fcrde ich ein gro\u00dfes Segelboot kaufen und auf dem Mittelmeer von Stadt zu Stadt segeln: immer dahin, wo das Wetter wirklich gut ist\u201c.<\/p>\n<p>Aber bis es soweit kommt, ist er in Berlin ganz gerne zuhause. Immerhin lebt er schon fast zwanzig Jahre hier, in einem H\u00e4uschen in Pankow mit Garten f\u00fcr die Kinder. Fast ebenso lange wird er zu den Aush\u00e4ngeschildern der Berline Jazzszene gez\u00e4hlt. Auch, wenn er meist international unterwegs ist. \u201eDie n\u00e4chsten Konzerte werden in Wien, Z\u00fcrich, Frankfurt und Passau sein, in Polen und dann in Mexiko\u201c freut er sich.<\/p>\n<p>Vorher tritt er endlich wieder einmal in Berlin auf: beim JazzDor Strasbourg-Berlin Festival spielt er am Mittwochabend mit seinem Trio Klima Kalima und dem franz\u00f6sischen Posaunisten Yves Robert als Gast. Das franz\u00f6sische Festival unterh\u00e4lt seit zehn Jahren eine Dependance in der deutschen Hauptstadt und bringt hier immer wieder internationale Projekte auf die B\u00fchne. Yves Robert etwa wurde einst mit dem ARFI-Kollektiv\u00a0 bekannt, der \u201eAssociation\u00a0\u00e0 la Recherche d&#8217;un Folklore Imaginaire\u201c.<\/p>\n<p>Im Konzert mit Kalima geht es jetzt um eine imagin\u00e4re Filmmusik: \u201eFinn Noir\u201c handelt von lakonischen Kaurism\u00e4ki-Klassikern wie \u201eAriel\u201c oder \u201eDas Leben der Boheme\u201c oder von Inspector Palmu, einem finnischen Fernsehkommissar aus den 50er Jahren. \u201eFr\u00fcher haben Jazzmusiker auf der Basis von bekannten Broadway-Nummern gespielt. Da gab es etwas, was die Leute schon kannten. Wenn sie schon Bilder im Kopf haben, kann sich ein Dialog ergeben\u201c, erkl\u00e4rt Kalima. Aber er h\u00e4lt sich nicht damit auf, die Erkennungsmelodien der Filme nachzuspielen: es sind seine eigenen Eindr\u00fccke und Assoziationen, die er hier mitteilen will.<\/p>\n<p>Dass er dazu heute als Musiker auch die Gelegenheit hat, ist ein gro\u00dfes Gl\u00fcck. Zwar \u00fcberredete ihn schon ein Schulfreund mit Beatles und Pink Floyd-Cassetten dazu, eine Band zu gr\u00fcnden und Gitarre zu lernen, aber nach dem Abitur begann er trotzdem erstmal ein Jura-Studium. Und w\u00e4re auch bestimmt ein guter Anwalt geworden: noch heute w\u00e4hlt er seine Worte genau und pointensicher. Doch schlie\u00dflich bewarb er sich doch an der Sibelius-Akademie und bekam einen der f\u00fcnf Pl\u00e4tze im Jazzstudiengang. \u201eUnd das war auch der Beginn der ernsthaften Arbeit\u201c stellt er heute fest. Nach ein paar Semestern in Helsinki gab es ein Angebot zu einem europaweiten Austausch im Rahmen des Erasmus-Programms und so kam Kalle Kalima im Herbst 1998 endlich in Berlin an: \u201eSchon deshalb bin ich ein gro\u00dfer Fan der Europ\u00e4ischen Union\u201c.<\/p>\n<p>Seine erste Berliner Adresse war ein Studentenwohnheim am Mendelssohn-Bartholdy-Park. \u201eDas war praktisch ein Zimmer mit integrierter Kochplatte\u201c erinnert er sich. \u201eEinmal im Monat kam der Kammerj\u00e4ger und Nachts stand ab und zu die Polizei im Hof und suchte jemanden\u201c. Aber dann suchte er sich selbst eine WG im Prenzlauer Berg und \u201eDann wurde es viel besser\u201c. Schon bald war er an der Hochschule f\u00fcr Musik Hanns Eisler eingeschrieben und bekam die ersten Unterrichtsstunden bei John Schr\u00f6der. \u201eDer ist ein fantastischer Musiker! Sein Unterricht bestand eher darin, dass wir zusammen spielten und kommunizierten. Da hab ich viel mitbekommen. Es war auch witzig: er hatte einen Verst\u00e4rker \u2013 aber der hatte nur einen Eingang! Also haben wir beide mit E-Gitarren gespielt, aber unplugged, ganz leise. Aber er spielt ja auch Schlagzeug und lud noch Daniel Erdmann dazu ein, der Saxofon spielt. Und bald hatten wir eine Band zusammen: \u201eMomentum Impacto\u201c. Das war meine erste Band in Berlin, das war toll. Wir haben auch zwei Alben aufgenommen\u201c.<\/p>\n<p>Schnell kamen weitere Bands dazu: \u201eBaby Bonk\u201c etwa, \u00fcber deren verspielten Stilmix schon 2005 im Programmheft des Jazzfests Berlin 2005 zu lesen war, nach dem Konzert m\u00fcsse man sich, oder zumindest seine Plattensammlung wieder neu sortieren (und die am 29. Juli nach l\u00e4ngerer Pause wieder einmal zu h\u00f6ren sind:\u00a0 bei \u201eJazz am Kaisersteg\u201c in Obersch\u00f6neweide), und \u201eJohnny La Marama\u201c (als das andere Trio neben \u201eKlima Kalima\u201c), auf seiner Website f\u00fchrt Kalima noch zehn weitere Projekte auf: darunter das finnische Quartett K-18 (was \u201eFSK 18\u201c entspricht und schon CDs zu den Regisseuren Kubrick, Bunuel und Lynch ver\u00f6ffentlichte) und die \u201eTenors of Kalma\u201c mit dem Multi-Instrumentalisten Jimi Tenor, mit dem Kalle Kalima im vergangenen Jahr auch f\u00fcr den Echo Jazz nominiert war.<\/p>\n<p>Und dann sind da noch zwei Handvoll bemerkenswerte Projekte. \u201eIch habe ziemlich viele Bands\u201c r\u00e4umt der Gitarrist ein. \u201eEs ist eine Art darwinistisches System: was nicht wirklich funktioniert, verschwindet auch im Lauf der Zeit\u201c. Ab dem Herbst wird er das Zeitmanagement neu \u00fcberdenken m\u00fcssen, dann unterrichtet er monatlich an vier Tagen an der Musikhochschule in Luzern. Er freut sich darauf, mit den Studenten zu arbeiten. \u201eIch hatte selbst viele gute Lehrer, in Helsinki und hier in Berlin. Ich hab Lust, die Information und Inspiration weiter zu geben, die n\u00e4chste Generation zu beeinflussen, dass die ihr Potenzial finden\u201c. Zuhause, ganz privat, macht er genau das: seine Kinder sind 10 und 13 Jahre alt. Pankow ist ein guter Ort f\u00fcr seine Familie, findet er: \u201eBerlin ist eine gro\u00dfe Stadt und es gibt ganz unterschiedliche Ecken. Hier funktioniert es ganz gut. Pankow ist fast wie ein Dorf, die Schulen sind gut und es gibt drei gro\u00dfe Parks. Trotzdem kommt man schnell ins Zentrum. Der \u00f6ffentliche Verkehr in Berlin ist fantastisch. Ich treffe ja ab und zu Leute aus den USA. Und es gibt einfach Orte, in denen es das alle nicht gibt: keinen \u00d6PNV &#8211; und auch keine Kitas\u201c.<\/p>\n<p>Trotz der manchmal etwas dunklen Winter bleibt er also wohl noch ein paar Jahre Berliner, mit seinem charmantem finnischem Akzent, als s\u00e4\u00dfe man in einem Kaurism\u00e4ki-Film. St\u00f6rt es ihn eigentlich, dass er oft mit solchen Klischee-Vorstellungen verwechselt wird? \u201eManchmal schon, aber andererseits profitiere ich auch davon, dass Viele ein positives Bild von Finnland haben oder Finnen zumindest lustig finden oder merkw\u00fcrdig. Wenn ich aus Laos k\u00e4me, oder aus Belize, w\u00e4re es sicher nicht so einfach\u201c.<\/p>\n<p>Nur eins kann er wirklich nicht verstehen: dass eine FDP-Initiative jetzt den Flughafen Tegel offen halten will. \u201eEs ist nat\u00fcrlich ein spezieller Ort, man kann direkt zum Gate fahren und es war immer schon da f\u00fcr die Westberliner. Aber das Leben geht weiter! Dieser Flughafen st\u00f6rt das Leben von 300.000 Menschen. Die Flugzeuge fliegen direkt \u00fcber mein Haus! Die Pankower warten schon Jahrzehnte, dass es aufh\u00f6rt mit diesem L\u00e4rm. Nun lasst mal gut sein. Bitte\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klima Kalima \u201eFinn Noir\u201c feat. Yves Robert\u00a0 &#8211; 31.05.2017<\/p>\n<p>Im Rahmen des Festivals \u00a0JazzD\u00b4or Strasbourg-Berlin 30.05.-2.06.2017 jeweils 20 Uhr<br \/>\nKesselhaus Kulturbrauerei, Knaakstra\u00dfe,<\/p>\n<p>http:\/\/www.jazzdor-strasbourg-berlin.eu\/<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik zu Kaurism\u00e4ki-Filmen: Endlich spielt Kalle Kalima wieder einmal in Berlin Dieser Text erschien auch am 27.05.2017 im Berliner Tagesspiegel &nbsp; \u201eBisher war das Wetter nicht gut genug. Ich hab schon \u00fcberlegt, ob ich weiter nach S\u00fcden ziehen muss\u201c sagt Kalle Kalima und lacht. 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